Medienkompetenz und Jugendschutz & Lernort Kino

Auf Grund der Allgegenwart von audiovisuellen Inhalten in der konvergenten Medienwelt ist es kaum noch möglich, Kinder und Jugendliche umfassend vor Medieninhalten zu schützen. Ein zeitgemäßer Jugendschutz sollte deshalb verstärkt auf Kompetenzen statt allein auf Verbote setzen. Er sollte den Heranwachsenden die richtigen Werkzeuge an die Hand geben, um ihnen einen reflektierten und kritischen Umgang mit Medieninhalten, wie z.B. Filmen, zu ermöglichen. Medienkompetenz bedeutet insofern Partizipation und Kommunikation. Sie soll Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit eröffnen, sich am gesellschaftlichen und politischen Diskurs zu beteiligen. 

Medienkompetenz und Jugendschutz

Um Herauszufinden wie Heranwachsende selbst die Wirkung von Filmen einschätzen führt die FSK seit 2003 in Kooperation mit den Ländern die Projektreihe „Medienkompetenz und Jugendschutz“ durch. Mehr als 1.700 Mädchen und Jungen zwischen drei und achtzehn Jahren aus unterschiedlichen Bildungsmilieus wurden bislang befragt.  beteiligt waren. Neben einer Filmsichtung mit anschließendem Gespräch, Einzelinterviews, Gruppendiskussionen und Vorher-Nachher Befragungen schlüpfen die Heranwachsenden in die Rolle von FSK Prüferinnen und Prüfern. Sie äußern sich zu den Wirkungen des Films auf sie selbst und zu den Wirkungsvermutungen für andere, z. B. Jüngere. Am Schluss “entscheiden” sie über eine Altersfreigabe die zumeist mit der faktischen FSK Freigabe übereinstimmt. 

Jedes Projekt nimmt eine bestimmte  Altersgruppe und Problemstellung in den Focus.  Während „Medienkompetenz und Jugendschutz I“ der Frage nach der Wirkung von Kinofilmen auf Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren noch relativ allgemein  nachging, wurden die nachfolgenden Projekte in ihrer Fragestellung zunehmend präziser. So setzt sich „Medienkompetenz und Jugendschutz II“ mit der Frage auseinander, wie Kinofilme auf die jüngsten Kinobesucher, nämlich die Altersgruppe ab drei Jahren, wirken. Hierbei  geht es insbesondere um Aspekte wie Familie, Freundschaft und Heldenfiguren. „Medienkompetenz und Jugendschutz III“ nimmt Heranwachsende zwischen 16 und 18 Jahren in den Blick. Die Beurteilung von Gewaltdarstellungen im Film wird hier thematisiert. „Medienkompetenz und Jugendschutz IV“ setzt sich mit der Frage auseinander, welche Rolle Filme für die Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen spielen. Der besondere Fokus liegt auf den Aspekten Körper, Geschlecht und soziale Identität. Die in diesem Projekt befragten Schülerinnen und Schüler waren zwischen 12 und 15 Jahre alt. 

Die Ergebnisse zeigen auch deutlich, welche positiven Effekte Filme Kinder und Jugendliche haben können, z.B. dass sie Protagonisten, die “anders” sind als sie selbst besser zu verstehen lernen.  

Lernort Kino

Von September 2016 bis Juni 2017 führt  die FSK gemeinsam mit der Hochschule RheinMain, dem Verein der Wiesbadener Beruflichen Schulen, gefördert durch das Kulturamt und das Amt für Zuwanderung und Integration der Landeshauptstadt Wiesbaden das Projekt „Lernort Kino: Filmarbeit mit jungen Flüchtlingen“ durch.  

Rund 80 Schülerinnen und Schüler  aus InteA-Klassen (Integration durch Abschluss) beteiligen sich an dem Projekt. Über eine Zeitspanne von 10 Monaten kommen jungen Geflüchteten monatlich im Deutschen Filmhaus in Wiesbaden zusammen, um sich Jugendfilme zu den Themen Demokratie, Toleranz, Geschlechterrollen und  Identitätsfindung anzusehen und anschließend gemeinsam darüber zu diskutieren. Hierbei bietet sich den Jugendlichen die Möglichkeit, sowohl die Inhalte und Aussagen der Filme zu besprechen, als auch Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt herzustellen. Darüber hinaus werden auch die Schwierigkeiten, mit denen sich die jungen Geflüchteten in Deutschland konfrontiert sehen, ausführlich und offen angesprochen. 

Das durch Birgit Goehlnich (Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden der Freiwilligen Selbstkontrolle) und Rita Thies (Kulturmanagement, Oberstufenlehrerin und Kultur- und Schuldezernentin a. D.) initiierte Projekt leistet einen wertvollen Beitrag zur Integration und ermöglicht ein besseres wechselseitiges Verständnis. D

Das Projekt „Lernort Kino: Filmarbeit mit jungen Flüchtlingen“ wird mit Unterstützung des Kulturamtes Wiesbaden in modifizierter Weise seit 2018 fortgeführt.